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Zusammentreffen der Kinder und Familien im Mai 2016

Ein Bericht aus Kabul von unserem Projektleiter, Herrn Karim Rashid.

Wie immer wurden auch in diesem Monat die Kinder und ihre Angehörigen und Familien von Herrn Samandar und den Lehrern und Ausbildern in unserem Haus herzlich empfangen.

 

Den Kindern und Familien wurde ein buntes und lehrreiches Programm geboten. Die Kinder berichteten vom Unterricht und erzählten, was sie gelernt haben. Die meisten von ihnen sind sehr erfolgreich und schaffen schon ihr erstes Schuljahr mit gut oder sehr gut. Der kleine Ajmal zum Beispiel hat alle seine Prüfungen bestanden, obwohl dies sein allererstes Schuljahr war.

 

 

 

 

Thema des Tages war diesmal die Entstehung und Bedeutung des ersten Mai, dem Tag der Arbeiter. Herr Samandar versuchte den Anwesenden (und Kindern) mit einfachen Worten den Einfluss und die historischen Auswirkungen dieses Feiertages auf der gesamten Welt zu erläutern. Es ging auch um die Vergangenheit des ersten Mai in Afghanistan.

 

Die Kinder und Jugendlichen wurden befragt, was sie sich vom Staat für die Zukunft wünschen würden und was definitiv gegeben sein müsste, damit ein friedliches und wirtschaftlich abgesichertes Leben möglich ist. Äußerst bewusst schilderten sie, dass der Staat trotz der riesigen afghanischen Arbeiterbewegung in den letzten Jahren nicht sonderlich viel gegen die enorme Arbeitslosenrate von über 50% getan hat.

 

Obwohl jederzeit groß verkündet wird, dass der afghanische Staat bestrebt ist, ein enormes Wirtschaftswachstum an den Tag zu legen, werden weder Arbeitsplätze für die Bevölkerung geschaffen, noch wird das Gesundheitssystem auf Vordermann gebracht. Stets wird vom Staat aus das Recht auf Meinungsfreiheit gepredigt, doch wenn sich mal jemand kritisch gegenüber dem Staatsapparat äußert, muss er mit Repression rechnen.

 

 

 

 

 

Teppichwebkurs

Zum Thema „Teppichwebkurs“ können wir glücklicherweise berichten, dass alle Kinder, sowohl Jungs als auch Mädchen, sehr ambitioniert an dem Kurs teilnehmen. Zuvor waren nur zwei Teppichwebhalter in unserem Besitz. Aufgrund der erhöhten Nachfrage haben wir nun einen neuen angeschafft. Die Teppichweberei haben zwar größtenteils Mädchen und deren Mütter in Anspruch genommen, aber zu unserer Freude finden sich auch zahlreiche Jungs unter den Teilnehmern.

 

 

 

 

 

 

 

Für die Teppiche wird natürlich reichlich Garn benötigt. Einige der Kursteilnehmer haben bereits längere Zeit in unserem Zentrum Garn gesponnen und jetzt die Gelegenheit ergriffen, ein Spinnrad mit nach Hause zu nehmen, um dort aus Wolle Garn zu spinnen. Das fertig gesponnene Garn wird dann wieder in unser Haus gebracht, wo es zu traditionellen Teppichen verarbeitet wird. Außerdem hat jeder die Möglichkeit, einen Teil der Wolle für die Herstellung von eigenen Textilien zu nutzen. Somit wird sowohl Kleidung für den Eigengebrauch als auch für die Kinder hergestellt.

 

Die in Eigenarbeit hergestellten Textilien können natürlich von den Volljährigen verkauft werden, wodurch diese auch einen Einblick in berufliche Täötigkeiten erlangen, mit Ausblick auf zukünftige Selbstständigkeit. Mit der erworbenen Unabhängigkeit wird das Selbstbewusstsein gefördert, was besonders für die Frauen und Mädchen im Hinblick auf deren Rolle innerhalb der afghanischen Gesellschaft von enormer Bedeutung ist.

 

 

 

 

 

 

Medizinische Versorgung

Aufgrund der hohen Populationsdichte und der wachsenden Anzahl von Autos leidet die Bevölkerung Kabuls unter gesundheitsgefährdenden Abgasen. Es kam in den letzten Jahren zu immer mehr Herz- und Atemwegserkrankungen. Die ärmere Bevölkerung kann sich oftmals keine Behandlung oder gar eine Vorsorge leisten. Man sieht heutzutage trotzdem nur vereinzelt Leute, die Atemschutzmasken auf der Straße tragen, weil sich ein Großteil der Bevölkerung nicht über diese Problematik bewusst ist.

 

Wegen der schlechten Luftverhältnisse kam heute ein Doktor ins Haus, um die Kinder zu untersuchen. Zu unserer Freude war keines von ihnen erkrankt. Außerdem zeigte der Doktor den Kindern, Jugendlichen und ihren Eltern, wie sie ganz einfach ihren eigenen Blutdruck messen können.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Reboba, die im letzten Monat zu uns gekommen ist, hat ihre eindrucksvollen, selbstgemalten Bilder mitgebracht. Alle Kinder und Jugendlichen im KUFA-Zentrum waren begeistert und haben sich enorm gefreut zu sehen, dass man alles schaffen kann, wenn man es nur von ganzem Herzen will. Für viele Kinder ist Reboba mit ihrer Ausstrahlungskraft ein Vorbild und Motivator.

 

 

 

 

 

 

Tischlerwerkstatt

Der Tischlerkurs findet immer mehr begeisterte und passionierte Teilnehmer und zeigt, mit welcher Energie und Liebe die Kinder und Besucher des KUFA-Zentrums sich am Projekt beteiligen und ihren Beitrag leisten. Die Zusammenarbeit von Kindern und Lehrern läuft sehr gut, und die Freude über neu fertiggestellte Projekte ist jedesmal riesengroß. Diesen Monat haben die Tischlerjungs zusammen für sich einen neuen Arbeitstisch angefertigt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Auch an unserem Computerkurs beteiligen sich sowohl Jungs als auch Mädchen mit großem Interesse.

 

Auszeichnung

Sieben der Tischlerjungs, Safi, Rahib, Shuaib, Djaweed, Ajmal, Shahid und Amin haben diesen Monat Urkunden für ihre super Arbeit erhalten. Die Jungs und ihre Arbeit sind eine große Motivation für die Jüngeren im KUFA-Zentrum. Man könnte fast sagen, dass sie für einige der Kinder als Vorbilder gelten, weil sie bereits in kürzester Zeit so viel gelernt haben und eine so bahnbrechende Entwicklung an den Tag gelegt haben. Die sieben Jungs bedankten sich an aller erster Stelle vom ganzen Herzen bei Herrn Rahman Nadjafi, dem Gründer von KUFA e.V., bei Herrn Baqi Samandar als seelischem Vater und natürlich bei ihren Meistern und Lehrern Murtaza und Mujtaba, für deren Einsatz und Lehrtüchtigkeit. Sie erwähnten stolz, dass ihre geleistete Arbeit als das Resultat aus der positiven Zusammenarbeit aller Beteiligten entspringt und somit die Urkunde jedem von ihnen gebührt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Filmvorführung im Roya Film House

Im Studio vom Roya Film House (RFH) gibt es eine große Bibliothek, die die Kinder nun jederzeit besuchen dürfen. Das entgegen gebrachte Vertrauen gibt den Kindern wiederum ein enormes Selbstvertrauen mit, weil sie niemand verdächtigt, etwas zu stehlen oder einem vermeintlichen Anspruch nicht gerecht zu werden. Dabei spielt es auch keine Rolle, was für Kleidung die Kinder tragen, wenn sie die Bibliothek besuchen. Sie dürfen ab jetzt immer alle Bücher sämtlicher Sprachen ausleihen, die vorhanden sind und müssen sich dabei niemals armselig vorkommen.

 

Dabei setzen sie gleichzeitig ein Statement für die anderen Besucher der Bibliothek, die sehen, dass auch ehemalige Straßenkinder ein Interesse an Bildung und Spaß am Lesen haben können. Niemand soll denken, dass ein armes Kind ein schlechterer Mensch als ein reicherer Bürger wäre und nicht das Anrecht auf Bildung hätte. So könnte eine Gesellschaftsschicht vielleicht eine Andere prägen und dazu beitragen, dass eventuell mehr Verständnis entsteht und sich etablieren kann. Auf alle Fälle werden die Kinder und Jugendlichen positive Entwicklungen in ihrer Bildung, in ihrem Bewusstsein und in ihrer Eigenständigkeit durchlaufen.

 

Die Regisseurin Diana Sakip hat einen sehr eindrucksvollen Film über ein Straßenkind gedreht und den Kindern und Jugendlichen vorgeführt. Den Kindern hat der Film sehr gefallen. In dem Film geht es darum, dass ein Straßenkind namens Ahmad der beste Buzkashi-Spieler werden möchte. Ahmads bester Freund Rafi von der Straße soll wie sein Vater den Weg eines traditionellen Sängers bestreiten.

 

 

 

Im Laufe des Films kommt es zu einer Diskussion zwischen Ahmad und Rafi, denn Rafi meint, dass Ahmad seinen Traum nie erreichen wird, weil er ja nicht mal im Besitz eines Pferdes und der sonstigen, notwendigen Ausrüstung ist. Ahmad entgegnet ihm, dass er keine Angst hat, alles für seinen Traum zu tun und wenigstens nicht nur das anstrebt, was sein Vater für ihn vorgesehen hat.

 

Schließlich kommt Ahmad in den Besitz eines Pferdes und trifft kurz darauf seinen Freund Rafi auf der Straße an, dem er stolz berichtet: „Siehst du? Nun habe ich das Pferd bekommen und bald werde ich der beste Buzkashi-Spieler Afghanistans!“ Das Pferd läuft daraufhin mit Ahmad auf dem Rücken davon und Rafi läuft hinterher. Da Ahmad nicht reiten kann, fällt er vom Pferd und bis Rafi seinen Freund erreichen kann, ist dieser schon verstorben. Rafi konnte nichts mehr machen, außer die Leiche zu Ahmads Eltern zu bringen.

 

Nach dem Film leitete Diana Sakip eine kleine Diskussion ein und wollte in Erfahrung bringen, was die tatsächlichen, ehemaligen Straßenkinder über ihren Film denken. Es wurde viel gesagt, da sehr viele der Kinder ihre Meinung schilderten und von ihren persönlichen Erlebnissen auf der Straße erzählten.

 

Raihanna erzählte, dass sie genauso wie Ahmad auf den Straßen Kabuls als Hispandi tätig war, um Geld für ihre Familie einzutreiben. Das heißt, sie ist mit einer Blechtrommel zwischen den zahlreichen Autos umher gelaufen und segnete eine Person nach der anderen mit dem aufsteigenden Rauch der verbrannten Samen aus ihrer Blechbüchse. Sie erzählte, dass ihr die Erinnerungen an diese damalige sehr traurige Zeit, ungeheuer im Kontrast mit ihrem jetzigem Tagesablauf im KUFA-Zentrum stehen. Sie erwähnte, wie glücklich sie nun sei, weil sie Tag für Tag in einem sicheren Umfeld mit vielen Kindern in ihrem Alter spielen und lernen kann, ohne sich draußen auf der Straße aufhalten zu müssen, wo man die meiste Zeit über von vielen Menschen beleidigt und entmutigt wird. Nun tankt Raihanna täglich neue Energie und Kraft für ihren weiteren Lebensweg.

 

Sadaf kristallisierte zwei wesentliche Dinge aus dem Film heraus. Zum einen hat der Film den Kindern gezeigt, wie wichtig es ist, fest an seinen Traum zu glauben und alles für seine Verwirklichung zu riskieren und in Bewegung zu setzen, selbst wenn die engsten Freunde und Verwandten meinen, dass man es niemals bewältigen könnte. Allerdings sollte man aber auch Schritt für Schritt vorgehen, Geduld haben. Ahmad hat alles für seinen Traum getan und stets an sich und seinen Traum geglaubt bis er es schaffte, ein Pferd zu bekommen. Aber anstatt sich gleich darauf zu setzen und los zu reiten, hätte er bei aller Zielstrebigkeit nicht den Schritt des Reitenlernens überspringen sollen.

 

Auch die Kinder im KUFA-Zentrum haben große Vorstellungen von sich und streben eine bessere Zukunft für sich, ihre Familien und das Land. Der Unterschied besteht darin, dass unsere Kinder und Jugendlichen den großen Traum der eigenständigen und stetigen Bildung verfolgen.

 

Außerdem stellt Sadaf fest, dass Rafi ein richtiger und loyaler Freund war, auch wenn er und Ahmad sich nicht immer in allen Punkten einig wurden. Trotzdem war er immer da für seinen besten Freund und gab ihm die Hoffnung und den Verlass, den man auf den Straßen Kabuls dringend benötigt.

 

Diana Sakip erzählte den Anwesenden zum Ende hin, wie wichtig es sei, dass die Eltern stets behutsam mit ihren Kindern umgehen und auf sie Acht geben, damit diese ja niemals auf der Straße arbeiten. Sie besitzen die Verantwortung, sich jederzeit um eine anständige Versorgung, Erziehung und Bildung ihrer Kinder zu kümmern. Die Kinder stimmten alle zu und bedankten sich ganz herzlich bei Diana Sakip und Roya für deren Einladung ins Studio und die Vorführung des Films. Zu Hause angekommen, gab es sicher wieder ein Menge zu erzählen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Am Abend wurden die Kinder und Jugendlichen außerdem vom Roya Film Hause (RFH) zur Premiere eines Films in deren Studio eingeladen. Dort haben die Tischler Jungs zu ihrem eigenen Erstaunen festgestellt, dass die Schränke der Bibliothek, die sie selbst vor einigen Monaten angefertigt hatten, dort majestätisch die Aufmerksamkeit jeden Besuchers auf sich zogen. Roya erwähnte den Kindern und Jugendlichen gegenüber noch, dass sie bisher von allen Seiten Anerkennung für die Arbeit der Jungs ausgesprochen bekommen hat, worauf die Tischlerjungs und die anderen Kinder natürlich sehr stolz waren.

 

 

 

 

 

Gemeinsames Essen

Im Anschluss wurde wie immer in familiärer Atmosphäre zusammen gegessen.

 

 

 

 

 

 

 

 

Geldauszahlung

Zum Schluss wurde das Geld an die Kinder und Jugendlichen ausgeteilt.