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Zusammentreffen der Kinder und Familien im März 2016

Ein ausführlicher Bericht aus Kabul mit Fotos von unserm Projektleiter Herrn Raschid.

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Am 15.04.2016 wurden 78 Kinder und Jugendliche mit ihren Begleitern wie immer lieb und herzlich in unserem Haus empfangen.

 

 

 

 

 

Wie schon im letzten Monat haben wir ein schönes Programm für die Kinder zusammengestellt. Einige Kinder, die im vorigen Jahr nicht zur Schule gehen konnten, hatten in diesem Monat das Vergnügen, eingeschult zu werden.

 

Wie zum Beispiel Ajmal, der über eine Organisation nach Deutschland geschickt worden ist, damit seine Hände operiert werden, die er sich zuvor in Afghanistan an einem Starkstromkabel verbrannt hatte. Letztlich wurden seine Hände amputiert.

 

Die Organisation, die ihm die Reise nach Deutschland ermöglicht hatte, hat es nicht bewerkstelligt, dass er seinen Asylantrag in Deutschland stellt. KUFA e.V. hatte versucht, ihn in Deutschland zu betreuen und sich um seinen Asylantrag zu kümmern. Ajmal war für uns jedoch sehr schwer zu erreichen. Sein betreuender Arzt hatte ihm nur einmal am Tag die Möglichkeit gegeben, kurz mit seiner Mutter zu telefonieren.

 

Da Ajmal seine Hände nicht benutzen konnte und die Sprache nicht beherrscht, konnte er sich nicht darum kümmern ein eigenes Handy in Anspruch zu nehmen, um seine Familie jederzeit zu kontaktieren.

 

Man muss sich einmal vorstellen, dass ein sechsjähriger Junge für eine Operation nach Deutschland geflogen wird und die gesamte Zeit vor Ort im Krankenhaus verbringt und sich nicht ein Mensch um sein Schicksal schert oder ihm die Möglichkeit gibt, mit seinen Liebsten in Kontakt zu bleiben oder sich für seinen Asylantrag engagiert. Der kleine Ajmal hatte ja von dieser Möglichkeit nicht den Hauch einer Ahnung.

 

Über seine Eltern haben wir von seinem Aufenthalt in Deutschland erfahren und uns umgehend durch unsere Ortsgruppe in München mit ihm in Verbindung gesetzt. Doch die besagte Organisation hat es uns nicht ermöglicht, ihn hier in Deutschland länger unterzubringen.

 

Das Mindeste wurde für ihn getan. Er wurde operiert und schleunigst zurück nach Afghanistan geschickt. Es wäre eine notwendige Hilfeleistung für Ajmal gewesen, dass er Prothesen erhält, damit er eine Chance hat, auf dem afghanischen Arbeitsmarkt oder sonst wo Fuß zu fassen, und das Gefühl funktionierender Hände wenigstens ein wenig zurück erhält. Abgesehen von der fatalen Sicherheitslage in Afghanistan und davon, dass der Arbeitsmarkt bei einer geschätzten Arbeitslosenrate von 70% kaum vorhanden ist, liegen Ajmals Aussichten eine Arbeit zu finden realistisch gesehen bei Null.

 

Glücklicherweise konnten wir Ajmal in Afghanistan bei uns unterbringen und betreuen ihn seit seiner Ankunft. Er hat viele neue Freunde gewonnen und fühlt sich wohl.

 

Leider werben Organisationen dieser Art mit ihrem sozialen Engagement und ihrer humanitären Arbeit im extremen Ausmaß, um Geldgeber und Sponsoren für die hilfsbedürftigen Kinder zu gewinnen. Es wird meist nur oberflächlich gehandelt und sich dann in der Öffentlichkeit mit der vermeintlich großartigen Arbeit geschmückt. Wobei seitens dieser Organisationen und der Sponsoren fast immer stillschweigendes Einverständnis darüber herrscht, dass die Kinder aus Afghanistan, die hier operiert werden, nach den notwendigsten Maßnahmen direkt wieder in ihr Heimatland geschickt werden, ohne weitere Betreuung vor Ort in Afghanistan.

 

Nur durch engagierte Privatpersonen innerhalb Deutschlands schaffen es einige der Kinder, einen Asylantrag zu stellen und ihn dann eventuell zu erhalten.

 

Ajmal betrachtete das schöne und aufregende Deutschland etwa ein halbes Jahr aus dem Fenster seines Krankenhauses und wurde, nachdem alle seine Wunden verheilt waren, unverzüglich zurück nach Afghanistan geschickt. In solchen Fällen gibt es in Afghanistan keine weiteren Möglichkeiten, die hilfsbedürftigen Kinder zu behandeln.

 

Ajmal erzählte uns, dass er Deutschland sehr vermisst, und besonders die Sauberkeit als sehr beeindruckend empfand. Er möchte am liebsten zurück nach Deutschland und viele andere Länder bereisen. Aber natürlich war es ein besonderes Erlebnis für ihn, bei uns unter gleichaltrige Kinder zu kommen und zum ersten Mal die Schule in Kabul zu besuchen.

 

Ajmal ist ein sehr intelligenter Junge und hat in Deutschland ein wenig Deutsch lernen können. Er lernt weiter Deutsch und strebt an, als Dolmetscher zu arbeiten, so dass er in Zukunft vielleicht auch für KUFA e.V. tätig werden kann. Nun versuchen wir alles Erdenkliche in unserem Rahmen für Ajmal zu tun, damit er eine glückliche und erfüllte Kindheit erhält und in Zukunft seinen Weg finden wird.

 

 

Da in Afghanistan jeweils von morgens bis mittags und von mittags bis nachmittags in den Schulen unterrichtet wird, wurde der außerschulische Stundenplan für die Kinder im Haus so gestaltet, dass die Kinder, die morgens zur Schule gehen, nachmittags im Haus eintreffen und umgekehrt.

 

Unterrichtsplan in unserem Haus für die Kinder und Jugendlichen:

 

Stundenplan

 

Dari und Pashto sind die beiden offiziellen Sprachen Afghanistans und werden gleichberechtigt behandelt.

 

Beim Zusammentreffen bekamen die Kinder und Jugendlichen Besuch von einem amerikanischem Professor und seinem Kollegen, die für die Kinder verschiedenste didaktische Spiele gestaltet haben.

 

Die Besucher waren begeistert von den Arbeiten der Tischlerjungs. Sie zeigten sich besonders beeindruckt von der Begabung, der Hoffnung, dem Lebensmut und der Zielstrebigkeit aller Kinder und Jugendlichen, die sie im Haus angetroffen haben.

 

Sie schlugen vor, dass die Volljährigen unter den Tischlerjungs noch mehr Dinge, wie zum Beispiel Tische, anfertigen, diese dann verkaufen und außerdem erwägen sollten, Aufträge von außerhalb anzunehmen, um vom Erlös weiteres Holz, andere Materialien, Werkzeuge und sonstige Projekte finanzieren zu können. So könnten sie sich nebenbei etwas dazu verdienen, sich schneller in den Arbeitsmarkt integrieren und somit letztlich selbständig machen.

 

Der Professor und sein Kollege begrüßten es, dass die Kinder die Möglichkeit haben, im Haus verschiedenste Lehrveranstaltungen in Anspruch zu nehmen, ohne dafür jegliches Geld bezahlen zu müssen. Ebenfalls beeindruckte sie, dass sich die Kinder aller Altersklassen so blendend untereinander verstehen und die Älteren dabei immer ein Auge auf die Jüngeren haben und alle stets achtsam miteinander umgehen.

 

Die Kinder erhielten zudem Besuch von einer Dame aus den Vereinigten Staaten, die die außerschulischen Aktivitäten in unserem Haus lobte. Die zahlreichen Möglichkeiten, auch nach der Schule noch auf verschiedenste Art und Weise zu lernen oder einfach nur herumzutoben und zu spielen, und dabei noch etwas ethisch wertvolles mitzunehmen, empfand sie als sehr bereichernd für die Kinder und deren Entwicklung.

 

Sie interviewte einige unserer Kinder und stellte dabei fest, dass diese sich besonders sicher, aufgehoben, willkommen und vor allem frei im Hause von KUFA e.V. fühlen. Die Mitarbeiter beschrieb sie als geduldig, respektvoll, achtsam und emphatisch im Umgang mit den Kindern und Jugendlichen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Neben den Tischler- und Elektrizitätskursen gibt es jetzt die Möglichkeit, an einem Teppich-Webkurs im Haus teilzunehmen. Hierzu haben die Tischlerjungs zwei Stützen in Eigenarbeit angefertigt, zwischen denen der zu webende Teppich aufgespannt wird.

 

Ein Web-Lehrer weiht alle Interessierten nun täglich von 10-12 Uhr und von 13-14 Uhr in die Kunst des traditionellen Teppichwebens ein. Zunächst wurden vor Ort zehn Webstühle ausgeliehen, um erst einmal eine Einführung in die Arbeit zu gewährleisten und um zu sehen, wie das Angebot ankommt. Bisher hat der Kurs guten Zulauf von Mädchen und besonders von Müttern der Kinder, die stets voller Elan dabei sind.

 

Wir erhoffen uns von diesem Kurs, dass das Kulturgut rund um den afghanischen Teppich und die traditionelle Kunst seiner Herstellung so nicht in Vergessenheit gerät, und dass alle, die an diesem Handwerk interessiert sind und es schaffen, dieses zu perfektionieren, in Zukunft eigenständig für ihr Einkommen sorgen können.

 

Von den Spenden und den bisher verkauften Holzarbeiten der Tischlerjungs werden wir sehr bald unsere ersten eigenen Webstühle finanzieren können.

 

 

 

 

 

 

 

 

Diesen Monat heißen wir Rababa als neues Kind bei KUFA e.V. willkommen. Sie ist durch ihre Behinderung leider nicht in der Lage, ohne Hilfe zu gehen. Auch ihre Hände kann sie nicht nutzen, da diese wie ihre Füße verkümmert sind. Da die Strassen in Kabul zum Großteil nicht ordentlich geteert sind, ist ein Rollstuhl für Rababa nicht von sonderlicher Hilfe. Sie ist daher tagtäglich auf ihre Eltern, älteren Geschwister und Freunde angewiesen.

 

Rababa ist ein besonders starkes Mädchen mit einem eisernen Willen, das ihre Hoffnung nicht verloren hat. Ganz im Gegenteil: mit einem Stift oder Pinsel, den sie im Mund zwischen den Zähnen festhält, gibt sie ihren Empfindungen auf dem Papier oder auf der Leinwand einen künstlerischen Ausdruck. Alle Kinder waren von ihrem Talent, ihrer Motivation, ihrem Lebensmut und ihrer Zielstrebigkeit begeistert und wurden direkt davon angesteckt.

 

Ihr Vater ist sehr stolz auf sie und hofft auf Unterstützung für Rababa, so dass sie sich weiterhin Stifte, Pinsel, Farbe, Leinwände und weitere Utensilien beschaffen kann, und so ihrer Leidenschaft für die Kunst nachgehen zu können. Er wünscht sich für seine Tochter, dass sie einmal eine international bekannte Künstlerin wird, damit möglichst viele Menschen ihre Geschichte und die Hintergründe kennenlernen und von ihrer Entschlossenheit inspiriert werden, falls man sich mal in einer hoffnungslosen Lebenslage wiederfinden sollte.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Lernen gleicht sich langsam internationalen Standards an. Die Kinder und Jugendlichen lernen jetzt die Welt des Computers kennen. Was für uns in der westlichen Welt selbstverständlich ist, bleibt in Afghanistan noch eine Rarität.

 

Es ist dem Großteil der Afghanischen Bevölkerung durchaus bewusst, dass der technologische Fortschritt, den der Computer mit sich bringt, das Leben sehr vereinfachen kann und das Internet grenzenlose Informationen zur Verfügung stellt. Doch ein Computer bleibt für die meisten Familien eine ungeheuer teure Anschaffung, die meist in Konkurrenz mit benötigten Lebensmitteln steht.

 

Wenn man bedenkt, dass die schnellste Internetverbindung, die in Deutschland momentan bei einem monatlichen Preis von etwa 40 € liegt, in Afghanistan für etwa 200 $ im Monat erhältlich ist, kann man sich gut vorstellen, dass der scheinbar einfache Zugang zum World Wide Web durch die anfallenden Kosten für eine arme Familie zu einem wahrhaftigen Unterfangen wird.

 

Bei uns bekommen die Kinder und Jugendlichen nun regelmäßig die Möglichkeit, sich mit dem Computer und seiner Bedienung vertraut zu machen. Dennoch haben wir den Internetzugang noch nicht freigeschaltet, weil wir wollen, dass die Kinder und Jugendlichen erst einmal den Computer und das Betriebssystem kennenlernen, bevor sie auf Erkundungssuche im Internet gehen. Alle Kinder und Jugendlichen sind stets voller Elan dabei und freuen sich jedes Mal riesig auf den Computerkurs.

 

 

 

In den Elektrizitätskursen lernen die Kinder von ausgebildeten Elektrikern sicher, bedacht, pragmatisch und einfach die Elektrizität zu begreifen. Nicht nur die Theorie, sondern auch die direkte praktische Anwendung wird geschult. Einige der Kinder sind bereits auf speziellen Schulen, die vertiefendes Wissen im physikalischen Bereich vermitteln.

 

Die Älteren der Kinder, die auf solchen Schulen sind, gewährten den Jüngeren zuvor einen Einblick in die Welt des Stroms, wodurch das Interesse der Kinder an der Technik schon früh geweckt wird. Die Kinder nehmen mit Freude und fleißig an den Kursen teil, zumal sie ihr gewonnenes Wissen teilweise zuhause direkt anwenden können.

 

 

 

 

 

 

 

 

Nach der Besprechung der Schularbeiten und dem gemeinsamen Lernen wurde wie immer zusammen gespeist. Im Anschluss erhielten die Kinder und Jugendliche ihr monatliches Unterstützungsgeld von 40,00 $.