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Zusammentreffen der Kinder und Familien im September 2016

Wie jeden Monat kamen die von uns unterstützten Kinder und ihre Familien in unserem Haus zusammen. Der seelische Vater (bzw. Onkel, "Kaka") der Kinder, Herr Baqi Samandar, und die Lehrer und Ausbilder empfingen die Familien herzlich.

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Kaka Baqi erzählte den Kindern und Jugendlichen von seiner Reise nach Deutschland und seinen Eindrücken. Er zeigte einige Fotos, die er unterwegs gemacht hatte. Er erzählte von seinem Treffen mit Rahman Nadjafi, dem Gründer und Vorstandsvorsitzenden von KUFA e.V, sowie von Aryan Ahmadi, der Ortsgruppenleiterin aus München.

 

Die Kinder und Jugendlichen erfuhren viel über KUFA e.V. und die Geschichte unseres Vereins. Auch von der wichtigen Rolle des KUFA-Gründers Rahman Nadjafi und seines Lebens in Afghanistan und in Deutschland bekamen die Kinder einen Eindruck. Ihnen wurde bewusst, dass die Einrichtung, die sie täglich besuchen und die ihnen eine wichtige Stütze im Leben ist, bereits seit 35 Jahren notleidenden Menschen hilft.

 

Natürlich gab es auch wieder Gesprächsrunden, und es wurde sich mit verschiedenen Themen auseinandergesetzt:

 

Erziehung und Bildung

 

Den Kindern wurde erklärt, dass es KUFA von Anfang an wichtig war, dass Eltern ihre Kinder verantwortungsbewusst erziehen, und dass gute Bildung zu mehr Verständnis füreinander führt.

 

Die Kinder dürfen niemals als Eigentum der Eltern betrachtet werden, sondern sollten sich von innen heraus, der eigenen Persönlichkeit entsprechend, entfalten können und tun, was ihr Herz mit Glückseligkeit erfüllt. Demenstsprechend soll auch jedes Kind individuell gefördert werden.

 

Die Kinder, Jugendlichen, und vor allem deren Eltern, haben im Zuge der Projektarbeit von KUFA erkannt, dass es unverantwortlich ist, die eigenen Kinder auf die Strasse zu schicken und ihnen so nicht nur die Chance auf eine gerechte und ordentliche Bildung, sondern vor allem die Chance auf eine menschenwürdige Kindheit zu nehmen. Durch die instabile Lage in Afghanistan wurde es schon den Eltern erschwert, in den Genuss einer guten Bildung zu kommen. Wenn die Eltern dann ihre Kinder zur Sicherstellung der eigenen Versorgung zum Arbeiten auf die Straße schicken, können auch die Kinder sich nicht weiterbilden.

 

Im Lauf der Gespräche erkannten die Eltern und Kinder, dass sich der Umgang miteinander während der Betreuung durch KUFA deutlich verbessert hat. Der Respekt füreinander ist gewachsen, und der Umgang zwischen Eltern und Kindern wurde verständnisvoller.

 

Den Zuhörern wurde auch klar, dass sie nur durch positive Veränderungen in ihrem eigenen Leben einen Beitrag für den Fortschritt der Gesellschaft leisten können, und dass ihr neues Selbstbewusstsein ihnen dazu verhilft, als positives Vorbild auch auf Andere einzuwirken und somit letztlich die Kultur des Landes langsam in eine positive Richtung bewegen und prägen zu können.

 

Thema Flüchtlinge

 

Über die aktuelle Lage der Flüchtlinge auf der Welt und insbesondere über die Zuwanderung von Flüchtlingen aus Pakistan nach Afghanistan wurde ebenfalls gesprochen. Dazu haben sich die Kinder und deren Eltern gemeinsam ein afghanisches TV-Interview von Herrn Samandar angeschaut, der im Zuge eine Debatte über diesen Sachverhalt gesprochen hatte.

 

Herr Samandar wies in dem Interview besonders darauf hin, dass die Menschen die Risiken der Flucht nicht auf sich nehmen sollten, da sie auf der Reise sterben könnten. All das Geld, das sie für die Schlepper und den Weg bräuchten, sollten sie lieber in die eigene Versorgung und bestenfalls in ihre eigenen Ideen zur Verbesserung der Infrastruktur und Lokalwirtschaft investieren.

 

Denn von wem soll das Land zukünftig in eine sichere und nachhaltige Richtung gelenkt werden, wenn alle jungen Bürger fliehen? Herr Samandar machte außerdem deutlich, dass eine Flucht ins Ausland mangels Aussicht auf einen Job oder anderes Auskommen nicht unbedingt zu einem besseren Leben führt.

 

Wir hoffen, dass die Kinder nach den positiven Erlebnissen und der Selbstverwirklichung, die sie in unserem Straßenkinder-Projekt erfahren konnten, auch ihre Freunde dazu motivieren, sich im eigenen Land zu verwirklichen. Dies wäre allemal besser, als das eigene Leben auf der Flucht in eine vermeintlich bessere Zukunft zu gefährden.

 

Gellschaft und Politik

 

Es wurde über Gulbuddin Hekmatyar gesprochen, der damals im Zuge des Bürgerkriegs sehr viele Kriegsverbrechen in Afghanistan begangen hat. Die Kinder wurden nach persönlichen Erfahrungen gefragt (ob positive oder negative), die ihre Familien während der Amtszeit oder noch während des Krieges mit Gulbuddin gemacht haben.

 

Eines der Kinder erzählte, dass der eigene Vater damals getötet worden ist. Ein weiteres Kind berichtete, dass drei Mitglieder aus der Familie damals getötet worden sind. Alle sahen besonders die Tatsache kritisch, dass Gulbuddin vormals ein international geahndeter Kriegsverbrecher gewesen ist und ungeachtet dessen heute eine hochrangige Position im Parlament einnehmen konnte, ohne sich jemals öffentlich für seine Taten zu entschuldigen, geschweige denn sich zu diesen bekannt zu haben oder zur Rechenschaft gezogen worden zu sein.

 

Aufnahme neuer Familien

 

In diesem Monat haben zwei Familien eine höhere Förderung erhalten: Die eine Familie besteht aus einer Mutter mit drei Jungen und acht Mädchen, von denen vier blind sind. Der Ehemann der Frau ist während eines Attentats im vorigen Jahr getötet worden, weshalb die Versorgung der Familie für die Mutter um so schwerer ist. Tatsächlich lebt die Familie derzeit in so schwierigen Verhältnissen, dass sie ohne zusätzliche Unterstützung vom Verhungern bedroht ist.

 

Die zweite Familie besteht aus Flüchtlingen, die aus Pakistan nach Afghanistan geflohen sind. Der Vater des Jungen und des Mädchens ist in Pakistan verschwunden. Die dreiköpfige Familie weiß nicht, wo er sich befinden könnte und ob er noch am Leben ist.

 

Selbstverständlich wurde von unseren Projektleitern vor Ort über einen längeren Zeitraum hinweg geprüft, ob die Angaben der Familien mit der Realität übereinstimmen, in welchen Verhältnissen die Familien leben und wie hilfsbedürftig sie tatsächlich sind.

 

 

 

 

 

 

 

 

Erweiterung des Hauses (Bauarbeiten)

 

Da der Winter ansteht und der Platz in unserem Haus für die Kinder, Jugendlichen und deren Eltern nicht ausreicht, werden zusätzliche Räume für diese hergerichtet. Während des Sommers haben die Kinder und deren Familienangehörige die Zeit im Garten und auf der Terrasse genutzt, wenn alle Räume im Haus besetzt waren.

 

Beim Ausbau waren neben den Arbeitern von außerhalb auch die Familien der Kinder und die Jugendlichen dabei. Alle haben gemeinsam die Initiative ergriffen, um das Haus so schnell wie möglich auszubauen.

 

 

 

 

 

 

 

 

Am Ende des Tages wurde wie immer glücklich zusammen gegessen.

 

 

 

 

Zum Schluß erhielten alle Kinder und Jugendlichen ihre monatlichen Unterstützung.