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Zusammentreffen der Kinder und Familien im Juli 2016

Auch in diesem Monat wurden die Kinder und ihre Angehörigen von Herrn Samandar und den Lehrern und Ausbildern in unserem Haus herzlich empfangen. 79 Kinder, die bereits auf der Förderliste stehen, und 30 weitere, die auf der Warteliste stehen, sind im Haus eingetroffen.

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Bis vor einigen Tagen waren alle Kinder noch beschäftigt mit ihren Klausuren. Während der Vorbereitungszeit vor den Klausuren wurden die Kinder für drei Tage vom KUFA Programm beurlaubt.

 

Heute war der erste Termin nach Abschluss sämtlicher Klausuren der Kinder. Deswegen wurde am Anfang des Programms jedes Kind gefragt, wie die jeweiligen Prüfungen verliefen. Die Kinder und Jugendlichen waren zufrieden und sehr positiv gestimmt, was ihr Gefühl bezüglich der absolvierten Klausuren angeht.

 

Die Zeugnisse wurden bisher noch nicht ausgehändigt. Sobald die Kinder und Jugendlichen die Zeugnisse erhalten, müssen sie diese ins Zentrum bringen, damit die Lehrer und Beauftragten von KUFA e.V. ihre Leistungen mit denen vom vorherigen Jahr vergleichen und diese mit den Kindern besprechen können.

 

Falls jemand nicht bestanden haben sollte, gibt es Förderkurse im KUFA-Zentrum, welche die Kinder und Jugendlichen jederzeit unentgeltlich in Anspruch nehmen können. So wie es zur Zeit jedoch aussieht, überragen die diesjährigen Leistungen der Kinder und Jugendlichen ihre sämtlichen Ergebnisse vom letzten Schuljahr. Zu unserer Freude waren alle außerordentlich fleißig und haben sich besonders in der Schule angestrengt.

 

Nicht nur uns, natürlich auch den Eltern und Geschwistern der Kinder und Jugendlichen sagt es sehr zu, dass sie so fleißig und erfolgreich sind. Die Entwicklung der Kinder und Jugendlichen ist für uns Motivation, auch weiterhin keine Kosten und Mühen zu scheuen, und ein Anzeichen dafür, dass sich die ersten Wurzeln der gesäten Samen schon fest im Boden verankert haben.

 

Die glücklichen Gesichter der Kinder, wenn Sie ins KUFA-Zentrum kommen, lassen uns immer wieder besonnen daran denken, dass wir alle gemeinsam etwas verändern können. Durch unsere Kinder tanken wir jeden Tag neue Kraft und Energie. Sie sind unser Herz und unsere Seele.

 

Menschen im In- und Ausland können die Entwicklung der Kinder und Jugendlichen wahrnehmen und sich an der Vitalität und Zuversicht der Kindr erfreuen. All das gibt uns Hoffnung, dass unsere Kinder eines Tages die neuen Architekten des einst so schönen und friedlichen Afghanistans werden.

 

Vor allem die Kinder selbst sind unendlich von ihren neu entdeckten Talenten und Fähigkeiten begeistert. Wer hätte gedacht, dass so viel Potential auf den Strassen Kabuls schlummert? Wer von ihnen hätte gedacht, dass so viel Potential in ihnen selbst steckt?

 

Die Kinder und Jugendlichen finden im Zentrum von KUFA e.V. eine Möglichkeit, sich weiterzubilden, auszutoben oder um einfach nur zu reden und zu entspannen. Hier sind alle zusammen die treibende Kraft und der Ansporn nie aufzugeben.

 

Die Freude der Kinder können und wollen wir uns nicht mehr aus unserem Leben wegdenken.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Vor einer Woche wurden mehr als 400 Menschen während einer friedlichen Demonstration verletzt und mehr als 80 Menschen getötet.

 

Anlässlich dieses grauenvollen Tages, über den fast überall auf der Welt berichtet worden ist, wollten wir uns mit den Kindern und Jugendlichen über ihre Gedanken diesbezüglich unterhalten.

 

Eines unserer Kinder namens Aroon wurde während dieses Attentats leider auch verletzt.

 

In Afghanistan wird sich zum Großteil nicht über die eigenen Gefühle unterhalten. Nicht einmal innerhalb der eigenen Familie kommt es dazu. Gerade Männer sprechen sich eigentlich nie aus. Um so wichtiger sind unsere Gespräche mit den Kindern, bei denen wir auch mehr über ihre Gefühle und Gedanken erfahren.

 

Bei diesen Gesprächen muss man besonders behutsam sein und niemandem das Gefühl geben, er/sie würde sich angreifbar machen indem er/sie die innere Gefühlswelt entblößt. Die Unterhaltungen haben alle fest zusammengeschweißt und sämtliche Freundschaftsbänder enger geschnürt.

 

Nach den Geschehnissen auf der Demonstration haben sich viele Menschen sofort organisiert, um den Verletzten und ihren Familien auf jede erdenkliche Art und Weise zu helfen. So wurden z.B. an mehreren Orten in Kabul Blutspendestellen errichtet.

 

Die Kinder wurden gefragt, ob sie wissen um was für eine Demonstration es sich gehandelt hatte. Einige von ihnen waren sehr gut informiert, die meisten von ihnen wussten jedoch nicht, worum es im Detail ging.

 

Fardin, der Bruder vom verletzten Aaron, erklärte den Kindern, dass die Demonstration aufgrund der neuen Pläne der nationalen Elektrizitätsverwaltung statt fand. Diese hatte zuvor angekündigt, dass das geplante Stromnetzwerk sich über Bamyan erstrecken wird. Im Nachhinein wurde dieser Entschluss verworfen, weil man sich darauf geeinigt hatte, das Netzwerk durch das Tal von Salang hindurch zu konstruieren.

 

Dadurch ist ein sehr großer Teil der hazarischen Bevölkerung aus dem Gebiet Bamyan nun vom Gebrauch des nationalen Stroms ausgeschlossen. Weshalb nun im Anschluss tausende Hazara in Kabul für eine Umleitung im ursprünglichen Sinn der Elektrizitätsverwaltung demonstrierten.

 

Fardin erzählte weiter: „Um 15 Uhr war ich gerade zu Hause, als mein Bruder mit ein paar Freunden zur Demonstration ging. Einigen Minuten, nachdem die Bombe explodierte, wurde ich angerufen, dass mein Bruder verletzt worden sei und ich mich schleunigst beeilen soll ihn abzuholen, um ihn ins Krankenhaus zu bringen.

 

Angekommen habe ich Aaron mit Verletzungen am Boden aufgefunden und ihn sofort ins Krankenhaus gebracht. Seine Beine waren durch Bombensplitter verletzt worden, weshalb er fünf Tage im Krankenhaus bleiben musste. Jetzt geht es ihm aber schon viel besser und er ruht sich weiter zu Hause bei der Familie aus.“

 

Außerdem erzählte er von seinem ersten Eindruck, als er am Ort des Attentats ankam: „Als ich bei der Demonstration angekommen war, habe ich unzählige Tote und sehr viel Blut gesehen. Ich war wie gelähmt. Ich war im Schock. Mir standen die Haar zu Berge und ich hab mich nur noch gefragt: Gott, wann hören diese grausamen Attentate endlich auf?“

 

Eines unserer Mädchen erzählte uns, was ihr bezüglich der Demo durch den Kopf ging:

 

„Ich denke, dass alle, die an der Demonstration teilgenommen haben, im Recht waren. In Bamyan wohnen zum Beispiel weitaus mehr Menschen, als in Salang. Welche nun keine Möglichkeit erhalten, das nationale Stromnetzwerk in Anspruch zu nehmen.

 

Darüber hinaus hätte der Staat auch ein größeres Netzwerk anlegen können, um beide Gebiete und vor allem die Bedürfnisse deren Bewohner, die letztendlich die Bürger des selben afghanischen Staat sind, abzudecken. Aber der afghanische Präsident, Ashraf Ghani, scheint nicht so sehr um sein Volk bekümmert zu sein. Denn obwohl mehr als 400 Menschen verletzt worden sind, hat er es nicht einrichten können, das Stromnetzwerk entsprechend auszubauen.

 

Nicht aufgrund der Demonstration, sondern aufgrund des riesigen Opfers, dass die unschuldigen Menschen und deren Familienmitglieder darbringen mussten, hätte Ashraf Ghani den Hazaras wenigstens ein wenig Leid abgenommen und außerordentliche Menschlichkeit und Größe bewiesen, wenn er ihnen den Wunsch erfüllt hätte, Bamyan mit Strom zu versorgen.

 

Naja was soll’s. Bleibt Ashraf Ghani halt ein König und wir das mundtote Sklavenvolk.“

 

Ein weiterer unserer Jungs sagte:

 

„Ich erkenne weder die Regierung noch die Bewegung der Demonstranten an. Die Regierung stiftet jedes Mal Hass und erzeugt Gegensätze im Volk. Was immer darauf hinausläuft, dass es unglückliche Familienmitglieder gibt, die alleine hinterlassen werden, weil wieder jemand verletzt oder getötet worden ist.

 

Wir werden geteilt, damit sie über uns herrschen können. Pashtunen, Tadschiken oder Hazara, am Ende des Tages sind wir alle Afghanen und in erster Linie sind wir Menschen.

 

Meiner Meinung nach haben alle Menschen, die Ashraf Ghani gewählt haben, es erst möglich gemacht, dass all diese Probleme überhaupt entstanden sind, und letztendlich wurden sie und die gesamte Bevölkerung Afghanistans enttäuscht. Außerdem verschlechtert sich die gesamte Wahrnehmung des Landes nach innen und außen hin, da die Bürger Tag für Tag mehr in Demut versinken, weil bisher leider keine politischen Ziele verwirklicht worden sind.

 

Anstatt dass sich die Regierung für uns einsetzt, arbeitet sie nur in ihrem Sinne und arbeitet für den eigenen Reichtum. Während wir immer mehr vernachlässigt und immer wieder auf’s Neue hintergangen werden.“

 

 

 

 

 

 

Nach der Unterhaltung haben alle wieder glücklich zusammen gegessen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zum Schluss haben die Kinder und Jugendliche ihre monatliche Unterstützung erhalten.