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Skandalöse Ansprüche

Die Präsidentin des afghanischen Roten Halbmonds, Frau Fatima Gailani, möchte das Gebäude, in dem das KUFA-Projekt "Frauen- und Waisenhaus" beheimatet ist, für sich als Gästehaus beanspruchen. Dieses Gerücht hatte sich zunächst mündlich verbreitet und kam schließlich der ehemaligen Leiterin der Einrichtung, Frau Nadera, zu Ohren. Wir hatten dies zunächst nicht ernst genommen, da wir einen Vertrag mit dem Roten Halbmond abgeschlossen hatten, der uns die Nutzung des Gebäudes zusichert, solange KUFA in Afghanistan aktiv ist.

Frau Gailani war durchaus bewusst, wieviel Geld und Zeit wir in den Ausbau des Gebäudes und die Infrastruktur auf dem Gelände investiert haben. Ihr Amtssitz liegt in unmittelbarer Nähe des Grundstücks und sie konnte den Baufortschritt jeden Tag mit eigenen Augen verfolgen. Mittlerweile ist das Frauen- und Waisenhaus komplett renoviert und verfügt über einen eigenen Wasserturm, einen neuen Anbau, eine neue Küche, einen Ofen zum Brotbacken und vieles mehr. Insgesamt wurden in das Projekt etwa 450.000 US-Dollar investiert, unter anderem vom BMZ (Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung), der GTZ (Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit), der deutschen Botschaft in Kabul und unzähligen privaten Spendern.

 

Vor etwa einem Jahr erhielten wir eine erste schriftliche Aufforderung, das Grundstück zu räumen. Diesen Brief hatten wir höflich beantwortet und auf die Zusicherung von Präsident Karzai und den Vertrag mit dem Roten Halbmond verwiesen. In einem persönlichen Gespräch zwischen unserem Projektleiter vor Ort, Herrn Khaled Ghanizada, und Frau Gailani wurde uns angeboten, in ein anderes Gebäude zu ziehen. Wir haben diese Option zunächst nicht kategorisch ausgeschlossen. Bei der Besichtigung des Gebäudes jedoch wurden die Mängel schnell deutlich: es ist renovierungsbedürftig, verfügt nicht über fliessendes Wasser und, was für das Konzept unseres Projektes besonders entscheidend ist, es bietet den einzelnen BewohnerInnen-Gruppen keine separaten Wohnungen.

 

Das Frauen- und Waisenhaus in Kabul ist das Resultat kollektiver Anstrengungen und finanzieller Aufwendungen vieler Personen und Einrichtungen. Das eingesetzte Geld stammt zu einem großen Teil vom deutschen Staat. Wir halten es für skandalös, wenn die Präsidentin des Roten Halbmonds uns angesichts dieser Sachlage erzählt, wir sollten neues Geld beschaffen und das zum Tausch angebotene Gebäude selbst renovieren. Frau Gailani ist mit dem afghanischen Finanzminister verheiratet und eine sehr einflussreiche Person. Hier wird ein grundlegendes Problem der afghanischen Gesellschaft deutlich: staatliche Korruption und rücksichtslose Durchsetzung individueller Machtansprüche.

 

Der Streit erreichte seinen Höhepunkt, als eines Tages zwei bewaffnete Sicherheitsangestellte dem Projektleiter Herrn Ghanizada den Zugang zum Gelände verwehren wollten. Dieser liess sich jedoch nicht beirren und ignorierte diese Provokation.

 

KUFA e.V. hatte die Angelegenheit bereits auf einer Pressekonferenz der Hamburger Stiftung für politisch Verfolgte und der Gesellschaft für bedrohte Völker vorgestellt. Daraufhin kam der Stein ins Rollen und die Problematik wurde einem größeren Personenkreis bewusst.

 

Mittlerweile sind die deutschen Behörden in die Angelegenheit eingeschaltet: Herr Nils Warner vom BMZ und Frau Adebo vom Auswärtigen Amt haben sich an die deutsche Botschaft in Kabul gewandt. Nach der Einschätzung von Herrn Martin Kipping von der Botschaft werden wir in dieser Angelegenheit zu einer positiven Einigung finden. Der deutsche Botschafter in Afghanistan wird sich in Kürze mit dem Ehemann von Frau Gailani, dem Finanzminister Ahadi, treffen und versuchen, zu einer entsprechenden Einigung zu kommen.

 

Brief von Tilman Zülch von der Gesellschaft für bedrohte Völker an den afghanischen Präsidenten Hamid Karzai:

letter_hamid_karzai_president_english.doc (englisch)

 

Brief von Tilman Zülch an den afghanischen Aussenminister Dr. Rangin Dadfar Spanta und Dr. Sima Samar, Präsident des AIHRC (Afghanistan Indenpendet Human Rights Commission):

letter_to_dr._rangin_dadfar_spanta.doc (deutsch)

 

 

Vertrag zwischen KUFA und dem Afghanischen Roten Halbmond

 

 

 

Antrag an Hamid Karzai