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Schüler empfangen fernen Besuch aus Kabul

Kinder stellen Fragen an die Deutsche Botschaft / Spenden aus der Aktion "Kinder helfen Kindern" kommen an.

Friedeburg/al – Gespannte Stille herrscht im Computerraum der Haupt- und Realschule Altes Amt in Friedeburg. Und das nicht etwa wegen der Zeugnisvergabe. Die Schülerinnen und Schüler der Klassen R5A und R5B haben Besuch aus Afghanistan. Marko Danzer, Sicherheitsbeamter der Deutschen Botschaft aus Kabul, zeigt den Kindern, dass ihre Hilfe ankommt.

 

Auf Initiative der Elternratsvorsitzenden Renate Muetzel haben die Fünftklässler seit Ostern immer wieder Pakete mit Schreibwaren und Kinderspielzeug gepackt, die sie unter dem Motto "Kinder helfen Kindern" an die Bundeswehr nach Darmstadt geschickt haben. Von dort aus kamen die Hilfsgüter mit der Feldpost nach Kabul, wo Marko Danzer sie in einem Waisenhaus verteilte. "Afghanistan ist ein armes Land. In jeder Ecke riecht es. Der Straßenverkehr ist chaotisch. 80 Prozent der Menschen sind arbeitslos. 20000 Kinder leben allein, ohne ihre Eltern, auf der Straße", beschreibt Danzer seine Eindrücke. Auf der Leinwand zeigt er dazu Bilder von grauen Bretterbuden rechts und links der Sandstraßen. Kinder blicken mit erwartungsvollen, großen Augen in die Kamera.

 

Die Mädchen und Jungen staunen beim Anblick der vielen Kartons auf den Fotos. "Ich wollte einfach nur ein Lachen in den traurigen Gesichtern der Straßenkinder", sagt Danzer. Deshalb hat er über den Internetauftritt www.schottenparadies.de mit Familie Muetzel aus Bentstreek Kontakt aufgenommen. Zusätzlich schrieb Danzer mehrere Firmen in Deutschland an und bat um Malbücher und Stifte. "Die Resonanz war so gut, dass ich die vielen Geschenke nicht einfach auf den Straßen verteilen konnte." Über die Kulturbeauftragte der Botschaft nahm Marko Danzer Kontakt mit einer Schule auf. Auf der Leinwand sind nun Bilder von Unicef-Zelten zu sehen. Erstauntes Gemurmel unter den Friedeburger Schülern. "In drei Schichten werden hier 5000 bis 6000 Kinder unterrichtet. Die Klassen sind nur durch einen Vorhang voneinander getrennt."

Schnell erkannte Danzer, dass er zu wenig Stifte hatte, um auch nur alle Erstklässler glücklich zu machen. Schließlich wandte sich der Deutsche an ein Waisenhaus in Kabul. "50 bis 60 Kinder leben hier zusammen mit zehn Frauen, die ihre Männer im Krieg verloren haben." Der Hamburger Hansgeorg Preuß betreut die Einrichtung. "Ihm konnte ich vertrauen, dass die Sachen, die ich verteile, auch wirklich bei den Kindern bleiben", sagt Danzer. Und weiter: "Wer in Afghanistan Arbeit hat, verdient zirka 120 Euro im Monat. Jeder will für sich das Beste rausholen. Wenn ich einen Lehrer bitte, 300 Stifte zu verteilen, kommen vielleicht 50 bis 100 bei den Kindern an. Der Rest wird auf einem Basar verkauft."

Im Waisenhaus des Hamburger Vereins "KUFA" leben jeweils sechs Kinder mit einer Frau als "Ersatzmutter" in einem Raum zusammen. "Da möchtet Ihr nicht schlafen", beschreibt Danzer das Bild, das sich ihm vor Ort geboten hat. 1200 Euro stehen dem Waisenhaus für die Verpflegung der Frauen und Kinder im Monat zur Verfügung. Die Kinder gehen vormittags zur Schule und werden am Nachmittag von zwei Lehrerinnen weiter gefördert. Nähmaschinen und Englischunterricht sollen die Zukunft insbesondere der Mädchen sichern. Um die Kinder auch im Umgang mit dem Computer schulen zu können, ist Hansgeorg Preuß dringend auf Spenden angewiesen. Der Verein KUFA hat sein Spendenkonto bei der Dresdner Bank in Hamburg, Kto.-Nr.: 4 207 300 00, BLZ: 200 800 00. Weitere Informationen zu dem Verein gibt es auch im Internet unter www.kufaev.de.

Danzer zeigt Fotos von Frauen auf der Straße, die mit einer blauen Burka gänzlich verhangen sind. "Unter den Taliban durften Mädchen nicht zur Schule gehen. Frauen mussten sich in der Öffentlichkeit verhüllen. Noch heute, fünf Jahre nach dem Ende des Talibanregimes, zeigen sich viele Frauen nur mit Burka in der Öffentlichkeit, weil die Männer es noch immer so wollen." Danzer nimmt eine Flasche, stülpt eine Burka darüber und zeigt den Kindern, dass die Frauen durch das Fadennetz um die Augen nicht einmal ihre eigenen Füße sehen können. Heute kommen die Mädchen bei 50 Grad Celsius im Freien und 30 bis 40 Grad im Zelt in ihren schwarzen Schuluniformen und mit weißem Schleier über den Haaren zum Unterricht. "Wenn die Zeltschulen mit Tischen und Bänken ausgestattet sind, ist das schon Luxus", sagt Marko Danzer.

In der Deutschen Botschaft hingegen gibt es sogar Sport- und Freizeitangebote für die Angestellten. Entsprechend ungläubig reagieren die Friedeburger Schüler. "Ihr müsst das verstehen", sagt Danzer. "Ich bin elf Monate dort und ich kann die Botschaft aus Sicherheitsgründen kaum verlassen. Sport ist die einzige Abwechslung, die wir haben." 

 

(Aus: "Anzeiger für Harlingerland", Ostfriesisches Tageblatt)