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Neuaufnahmen und Geldauszahlungen für Oktober, November und Dezember 2014

Bericht von unserem Projektleiter, Herrn S. Nematullh Zia aus Kabul

Für die Betreuung der Familien nutzten wir seit 2010 einmal im Monat das Haus eines Freundes von Herrn Samandar in Kabul, der das KUFA-Straßenkinderprojekt gern unterstütz. Dieser hat sich nun liebenswürdigerweise bereit erklärt, sein Haus für die Monate Oktober, November und Dezember jeden Tag kostenfrei und ab Januar 2015 für eine vergleichsweise sehr geringe Miete zur Verfügung zu stellen. Ab dann werden wir das Haus auch für unsere geplanten Projekte zur Selbsthilfe (Schneiderei und Tischlerei) nutzen, und damit unsere Projekterweiterungspläne im Jahr 2015 realisieren.

 

Dieses Haus ist modern ausgebaut und hat alles, was wir brauchen: Drei große Räume, die auch für Veranstaltungen und Zusammenkünfte geeignet sind, weiterhin ein komplett eingerichtetes Büro und zwei Räume, in welchen die Schneiderei und die Tischlerei eingerichtet werden. Auch gibt es eine große Küche, ein eigenes Wasserversorgungssystem, welches das Haus mit fließend heißem und kaltem Wasser versorgt, mehrere Toiletten und ein Badezimmer.

 

Der schöne große Garten mit Spiel- und Sportplatz ist eine besondere Freude für unsere Kinder, zumal es in Kabul sehr wenig Grün gibt. Zahlreiche Obstbäume und ein Gemüsegarten ermöglichen es zum Einen, dass die Kinder durch die praktische Erfahrung beim Gärtnern eine Sensibilität für die Natur entwickeln können und zum Anderen, dass ein Teil des Eigenbedarfs an Nahrungsmitteln selbst produziert werden kann.

 

Neuaufnahmen

 

Um weitere neununddvierzig Straßenkinderkinder bis Ende 2014 in unserem Projek aufnehmen zu können, trafen wir uns, Herr Samandar und ich, in drei verschiedenen Stadtteilen von Kabul mit kleinen Gruppen von Kindern:

 

Im "Dehmazang" luden wir 58 Straßenkinder zum Essen in einen Imbiss ein. In einer vertrauensvollen Atmosphäre wurde allgemein über ihr schweres Leben auf der Straße gesprochen. Auf Wunsch der Kinder wurden auch Einzelgespräche geführt. Dabei zeigte die Mehrheit Interesse, in unser Projekt aufgenommen zu werden, denn die Kinder möchten gerne zur Schule gehen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

In "Deafghanan", im Zentrum von Kabul, wurden 27 Kinder zum Essen in ein Fischrestaurant zu Kennenlerngesprächen eingeladen. Die Kinder wurden über unser Projekt informiert und ermutigt, in die Schule zu gehen, statt auf der Straße zu arbeiten.

 

 

 

 

 

Nach dem Essen  kam eine Mutter, um ihre Kinder abzuholen. Auf meine  Frage, warum sie ihre Kinder auf die Straße schicke, wo sie verschiedenen Gefahren ausgesetzt seien, und sie nicht die Schule besuchen, antwortete sie schluchzend: "In dem Augenblick, wo meine Kinder das Haus verlassen, mache ich mir Sorgen, ob sie lebend  zurück kommen oder nicht. Ich bete zu Gott und bitte ihn, sie zu beschützen. Der Vater meiner Kinder ist ein einfacher Arbeiter und wir kommen mit dem Geld, welches er durch gelegentliche Arbeit verdient, nicht aus.

Wenn die finanziellen Schwierigkeiten uns besonders drücken, so dass wir kein Essen mehr kaufen können, dann zwingt der Hunger die Familie dazu, dass die Kinder arbeiten gehen müssen. Ansonsten würden wir sehr gerne unsere Kinder zur Schule schicken, damit sie etwas lernen und sich so eine bessere Zukunft schaffen und auch ihrem Land besser dienen können."

Wir hatten den Eindruck, dass sie wirklich in einer Notlage ist und den ernsthaften Willen hat, ihre Kinder zur Schule zu schicken. Ihre beide Kinder wurden in unser Projekt aufgenommen.

 

Als wir den verhältnismäßig wohlhabenden Kabuler Ortsteil "Karte Tschar" besuchten, liefen uns zahlreiche Straßenkinder entgegen mit den Rufen: "Salam, Kaka (Onkel) Baqi!" Jedes einzelne Kind begrüßten Herr Samandar und ich herzlich und respektvoll, dann luden wir alle in ein nahegelegenes kleines Restaurant zum Essen ein.

 

 

 

 

Herr Samandar sprach über unser Straßenkinder-Projekt, was bei den Kindern auf großes Interesse stieß. Um diese durch ihr schweres Leben traumatisierten Kinder wieder zu einem "normalen" Leben führen zu können, ist großes Einfühlungsvermögen und Geduld erforderlich. Wir sind voller Hoffnung, dass wir eines Tages weitere erfahrene Menschen und Vorbilder für die Kinder an unserer Seite haben und langfristig alle Kinder aus ihrem Elend befreit werden können. Wichtig ist bei der Betreuung der Kinder, dass nicht bloß finanzielle Hilfe geleistet wird, sondern sich die Helfer auch mit ganzem Herzen den Anliegen der Kinder widmen.

 

Herr Samandar hatte einen erfahrenen Tischlermeister eingeladen und den Kindern vorgestellt. Er gab bekannt, dass wir nun eine Tischlerwerkstatt mit Werkzeugen eingerichtet haben, die für alle Kinder nach der Schule zur Verfügung steht, so dass sie unter Anleitung des Meisters dort lernen können. Zehn Kinder wollten sofort daran teilnehmen.

 

Die Tischlerwerkstatt, ein Anfang: Projekt "Hilfe zur Selbsthilfe"

 

 

 

 

 

Eine besondere Freude bei dem Treffen im Oktober machten uns drei Dozentinnen der Kabuler Universität, Frau Sahila, Frau Mariam und Frau Nikbacht, die auch Aktivistinnen der "Zivilgesellschafts-Bewegung" sind. Dies ist eine Bewegung von frei denkenden Menschen aus der Zivilbevölkerung, die sich für die Durchsetzung der zivilen Rechte einsetzt.

 

Da in Afghanistan nun bald die Winterferien beginnen und bis März andauern, und die Kinder dadurch aus dem gewohnten Lernprozess wieder heraus fallen, bieten sie für alle Kinder, besonders für diejenigen, die Probleme mit dem Lernen haben, Ferienkurse in den naturwissenschaftlichen Fächern und Sozialkunde in unserem Haus an. Hervorheben möchte ich, dass auch Kunstunterricht für die Kinder angeboten wird, worauf sich schon viele Kinder freuen. Dieser Unterricht soll einen der Seele wohltuenden Raum eröffnen. Es können verschiedenste Techniken erlernt werden, mit Hilfe derer sich die Kinder frei ausdrücken können. Farben zu erleben und schöpferisch tätig zu sein, ohne Leistung erbringen zu müssen, wird für die Kinder eine völlig neue Erfahrungen sein.

 

Es wurde den Kindern und ihren Familien bekanntgegeben, dass ihnen einmal in der Woche ein Mediziner für einen ganzen Tag lang zur Verfügung steht. Auf dem Treffen erhielten alle Kinder und ihre Begleiter warme Kleidung, und wie immer wurde in einer familiären, freundlichen Atmophäre gemeinsam gegessen.

 

 

 

 

Da nun der Winter beginnt, wurde beschlossen, die monatlichen Unterstützungsgelder für die restlichen drei Monate des Jahres schon jetzt komplett den Familien der Kinder zur Verfügung zu stellen. So können sie jetzt für die kalte Jahreszeit das besorgen, was speziell für den Winter benötigt wird. Jede Familie erhielt also 120.- statt 40.- USD.

 

Und zum Schluss noch einige weitere Fotos von der Geldübergabe und den uns überlassenen Räumlichkeiten: