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Mahnwache Gegen die zunehmende Gewalt an Frauen in Afghanistan

24.02.2015 - Wir, KUFA e.V., die Gesellschaft für bedrohte Völker, Afghan-Haus e.V. und viele andere hier anwesende Afghanen erklären uns solidarisch mit den Aktivisten der afghanischen Zivilgesellschaft, die heute in ganz Afghanistan Großdemonstrationen für die Rechte der Frauen durchführen.

Täglich werden Frauen mißhandelt, ermordet, eingesperrt und zwangsverheiratet. Es gibt inzwischen Gesetze zum Schutz der Frauen, doch die Verantwortlichen, Polizei und Justiz setzen sie nicht um. Die Aktivisten der Zivilgesellschaft Afghanistans demonstrieren heute mit vielen Afghanen, Frauen und Männern in ganz Afghanistan gegen die zunehmende Brutalität gegen Frauen und Kinder.

In den letzten Monaten hat die Brutalität gegen Frauen und Kinder enorm zugenommen. Es fehlen richtige Sicherheitsorgane, Gesetze werden nicht umgesetzt, Schuldige werden nach kurzer Zeit wegen Korruption freigelassen. Unwissenheit der Menschen über die Rechte der Frauen und Kinder, welche gesetzlich fest verankert sind, Armut, Arbeitslosigkeit und fehlende Bildung sind die Hauptgründe der wachsenden Gewalt gegen die Frauen.

Nach Vorlage von Zahlen der Internationalen Menschenrechtskommission Afghanistans sind bis jetzt 4250 Fälle, wie z.B. Ermordung, Vergewaltigung, Schlagen und andere Mißhandlungen, Zwangsverheiratungen von zum Teil noch Minderjährigen aktenkundig geworden. Doch bleiben die meisten Akten der Frauen, die Opfer von Gewalt sind, in den Schubladen liegen oder es wird durch Einmischung der Mächtigen verhindert, dass die Fälle überhaupt vor Gericht gebracht werden.

Zahlreiche Brutalitäten, die in den letzten Monaten in verschiedenen Provinzen, wie Herat, Bamyan, Kundus, Josjan und Tachar bekannt geworden sind, wurden von Polizei und Justiz nicht verfolgt. Die zunehmende Gewalt gegen Frauen und das Nicht-Anwenden des Gesetzes sowie die mangelhafte Verfolgung der Täter verunsichert die Zivilbevölkerung. Die Aktivisten der Zivilgesellschaft und die Bevölkerung Afghanistans verurteilen entschieden die Verbrechen an den Frauen, fühlen mit den Opfern und fordern die Anwendung der Gesetze, die Verfolgung der Täter und offene rechtmäßige Gerichtsverhandlungen.

Die nationale Einheitsregierung wird dazu aufgefordert, die Anwendung der Gesetze zu einen Schwerpunkt ihrer Regierungsarbeit zu machen. Mit den willkürlichen traditionellen, vom Gesetz nicht anerkannten "Wüstengerichten" und illegalen Gerichtsverhandlungen in Moscheen, bei welchen die Opfer teilweise tot geprügelt werden oder Vergewaltigungsopfern von sogenannten Richtern zum Vorwurf gemacht wird, dass sie sich nicht selbst getötet haben, muß es ein Ende haben.

Die Nationale Einheitsregierung wird dazu aufgefordert, die Korruption im Polizeiapparat und in der Justiz schnellstmöglich zu beenden.